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Pressespiegel und Pressemitteilungen

Folgende Mitteilungen und Artikel in der Presse über das denkmalnetzBW finden Sie hier:

Pressemitteilungen

vom

05.11.2025

Bundeskongress Heimat 2025- denkmalnetzBW und Industriekultur in Baden-Württemberg

Beitrag von Barbara Saebel - Sprecherin für Denkmalschutz und Kulturerbe im Landtag BW und 1. Vorsitzende denkmalnetzBW e.V.

Dachverband für Denkmalschutz und Denkmalpflege

Das Denkmalnetz in Baden-Württemberg ist 2022 über eine Anhörung im Landtag initiiert und in 2024 zuerst als Initiative, dann als Verein gegründet worden. Als Dachverband für Denkmalschutz und Denkmalpflege vereint es professionell in dem Bereich angesiedelte Planer, Handwerker und Denkmalpfleger sowie ehrenamtlich Engagierte und Eigentümer. Es ist organisiert in 4 Arbeitsgruppen:

Die AG Öffentlichkeitsarbeit kümmert sich um die Webseite und Ausstellungen im Bereich baukulturelles Erbe. Die AG Bildung und Weiterbildung bietet z.B. regelmäßig im Veranstaltungsformat „Denkmalpflege konkret“ Besichtigungen von Sanierungs- und Restaurierungsobjekten an. In der AG Kirchenerhalt geht es um Best Practice Beispiele für Misch- und Umnutzungen kirchlicher Gebäude. Die AG Bürokratieabbau steht im Austausch mit staatlichen Behörden mit dem Ziel von Vereinfachungen. In Gründung ist die AG Energiewende, die sich über innovative Lösungen im Denkmal austauscht. Eine eigenständige Projektgruppe aus Lehrenden verschiedener Universitäten und Institutionen kümmert sich um die 2025 und 2026 stattfindende Summerschool der Akademie für Bildende Künste (ABK) Stuttgart, die den neuen interdisziplinären Studiengang Denkmalpflege an der ABK vorbereiten soll. Ziel ist allen im denkmalnetzBW, einen Dialog zwischen allen Beteiligten herzustellen und in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege die Bedingungen für den Denkmalerhalt zu verbessern. Das denkmalnetzBW soll über eine institutionelle Förderung erhalten, um Fortbildungen, Netzwerktreffen, Ausstellungen und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu organisieren.

Zum Ende des Jahres wird eine Geschäftsstelle eingerichtet, die unsere ehrenamtliche Arbeit unterstützt. Denn die Arbeit im Ehrenamt zum Erhalt des kulturellen Erbes ist ein unersetzliches Standbein der Denkmalpflege. Viele interessierte Laien setzen sich in Ihren Kommunen für einzelne Denkmale ein und erhalten durch das denkmalnetzBW wertvolle Unterstützung und ein landesweites Netzwerk.

Baden und Württemberg als Keimzellen des industriellen Fortschritts

Das Thema Industriekultur ist bisher nur am Rande im denkmalnetzBW aufgetaucht. Gleichwohl sind im Heimatland des Mittelstands noch viele Baudenkmale als Zeugnisse der Industrialisierung erhalten. Technische Neuerungen und entsprechend neue Produktionsverfahren markierten den Weg der Industrialisierung seit Mitte des 18. Jahrhunderts im Südwesten. Insbesondere Badens Industrialisierung profitierte nicht unwesentlich vom ausländischen Kapitalimport zugewanderter Unternehmer und Unternehmen, während Württemberg den Sprung in die Industrialisierung dank umfangreicher staatlicher finanzieller und institutioneller Förderungen schaffte. Ein Standortvorteil ist bis heute in besonders frühen Industriebauten der Textil, Metall- und Papierindustrie in Schwarzwaldtälern oder der Schwäbischen Alb sichtbar. Es entstanden Energielandschaften in den Flussauen – dort wo schon historisch die Energieerzeugung über Wasserkraft angesiedelt war. Später kam es zur fossilen Energiewende der Industrie über Kohle und Gas, die eher von einer guten Verkehrsanbindung von Schienen und Flusswegen sowie weiterer Infrastruktur abhängig waren. Mit dem Wandel von mechanischer Kraftumsetzung hin zur elektrischen wurden viele Heiz- und Maschinenhäuser obsolet.

Das recht offen gestaltete Denkmalgesetz Baden-Württemberg erlaubte es bis 2021 bereits in Ausnahmefällen industriekulturelle Kulturdenkmale unter Beibehaltung des Erscheinungsbilds aus den bauzeitlichen fossilen Energien aus- und in die Energiewende einzusteigen. Die Reformen des Klimagesetzes 2022 wurden auch ins Denkmalgesetz eingebracht, so dass Solar- und Windenergie nun auch regelmäßig in und um Denkmale eingesetzt werden können. Dieser Prozess eröffnet nun neue Möglichkeiten auch in energieintensiv zu beheizenden großen historischen Industriegebäuden.

Fossile Kraftwerke und Industriebauten werden zu Orten der Energiewende

Pionierarbeit geleistet hat wegen des historischen Themenbezugs zur Stromherstellung das ehemalige Elektrizitätswerk „E-Werk“ in Freiburg. Hier wurde zum ersten Mal auf einem Denkmal sichtbare PV auf dem Dach installiert. In der großen Halle finden Konzerte, Theateraufführungen oder Discos statt, nebenan ist eine Bildhauerhalle mit Atelierhaus und eine Galerie für Gegenwartskunst untergebracht. Solche kulturellen Nutzungen sind typisch für die Nachnutzung großer Industriehallen. Ähnlich ist dies auch auf dem Pausa Areal in Mössingen (Schwäbische Alb). Das ehemalige Fabrik-Gelände wurde entworfen durch den letzten Weimarer Bauhaus-Schüler Manfred Lehmbruck. Es beherbergte eine Fabrik für künstlerische Textile (u.a. Bauhaus, Frankfurter Schule, Pop-Art-Künstler Verner Panton). Die Stadt nutzt bereits die Tonnenhalle als Stadtbücherei und Co-Working-Space, die Bogenhalle als Theatersaal und die ehemalige Kantine als Café Pausa. Das größte Gebäude des Areals war jedoch bisher minder genutzt durch die Musikschule. Diese ehemaligen Büro- und Schneidereiräume sowie das weitläufige Gelände sollen demnächst zu Wohn- und sozialen Zwecken umgenutzt werden. Entwickelt wird dies durch einen in Bauhaus-Architektur erfahrenen Architekten mit Kontakt zu unserem Netzwerk. Dies konnten wir mit dem Bürgermeister in einem Workshop voranbringen. So stelle ich mir auch in weiteren Projekten den gesamtgesellschaftlichen Effekt des Netzwerks vor: hier finden sich Experten, neue Ideen, Finanzierungen und gute Kontakte zu Behörden, um z.B. auch große Industrieareale nicht weiter brach liegen zu lassen. Ein weiteres Areal in Entwicklung ist die Illenau in Achern (Ortenau), eine ehemalige Heil- und Pflegeanstalt. Das Heiz- und Maschinenhaus dient nun als Wohnhaus der Eigentümer, die eine eigene Solateurfirma betreiben. Die Energie stammt daher sowohl aus PV wie auch Solarthermie, ergänzt durch eine Pelletheizung. Das Energiekonzept besticht jedoch vor allem durch das wärmesparende Haus-im-Haus-Konzept. Der ganz große Wurf hin zu einem klimapositiven Industrieareal wird im IBA`27 Projekt Neckarspinnerei-Quartier Wendlingen versucht. In der ganzen Metropolregion Stuttgart testet man gerade viele innovative Ansätze im Bauen, auch in der Bestandsumnutzung. Das ehemalige Otto-Areal (Textilherstellung) soll mittels eines städtebaulichen Masterplans über einen internationalen Architektenwettbewerb entstehen. So werden die Orte des industriellen Fortschritts zu Orten des Fortschritts in der Energiewende.

© Foto: Bund Heimat und Umwelt (BHU) / André Baschlakow
© Foto: Bund Heimat und Umwelt (BHU) / André Baschlakow
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